04.02.2009
Nerven liegen blank
Von Uli Drescher: Klare Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern eines Ausbaus des Schleizer Dreiecks. Deutliche Worte fielen am Dienstag im Café Ried´l in Schleiz, denn an diesem Abend trafen Befürworter und Gegner eines permanenten Ausbaus des Schleizer Dreiecks direkt aufeinander. Der kleinste gemeinsame Nenner: Das Schleizer Dreieck muss erhalten werden. Wie das aber gehen soll, darüber gibt es keine Annäherung, denn zu groß sind die Unterschiede.
Der Einladung der Bürgerinitiative "Pro Schleizer Dreieck" folgten etwa 50 Bürger, darunter auch Vertreter des Aktionsbündnisses "Bürger für Schleiz", der Freien Wähler und Anlieger der Rennstrecke. Akteure des Abends waren David Wetzel (Pro Schleizer Dreieck) und Stefan Gruhner als Moderator. Stadtratsmitglied Wolfgang Cybala (PDS/Linke) übernahm den Part der Erläuterung des umstrittenen Bebauungsplanes, mit dem die Verlegung der B 2 einhergehen soll, um die Rennstrecke aus dem öffentlichen Verkehrsbereich zu bekommen. Ziel sei, ein Fahrsicherheitszentrum anzusiedeln und das Schleizer Dreieck als Rennstrecke und Markenzeichen der Stadt Schleiz zu erhalten. Cybala und Wetzel machten deutlich, dass es ohne grundlegende bauliche Veränderungen gemäß geänderten Bebauungsplan keine Zukunft für das Dreieck gäbe. Ebenso bedeute die "permanente Rennstrecke" nicht, dass 365 Tage im Jahr Rennen gefahren werden, sondern nur die nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimschG) erlaubten 18 Renntage. In den Zeiten dazwischen soll das Verkehrssicherheitszentrum den Kurs zu Forschungs- und Testfahrten nutzen.
David Wetzel bekräftigte den schon bei der Gründung von "Pro Schleizer Dreieck" selbst gestellten Anspruch, dass man auf einen privaten Investor finden werde, der das Fahrsicherheitszentrum bauen soll. Mehrfachen Nachfragen der Zuhörer, ob denn da schon jemand gefunden sei, wich Wetzel mit dem Hinweis aus, dass dann "alles wieder in der Öffentlichkeit zerredet" werde.
Eugen Büchner, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Schleizer Dreieck, machte aus seinen Erfahrungen deutlich, dass sowohl Fahrer als auch gewerbliche Nutzer davor warnen, das Streckenlayout des Schleizer Dreiecks zu ändern. Büchner wies darauf hin, dass die Betreibergesellschaft mit den jetzigen Einnahmen leben könne, aber weder Investitionen noch Schuldentilgung möglich sei. Er könne auch nicht erkennen, so Büchner, dass der Motorsport auf dem absteigenden Ast sei. Auch Elektroautos seien für die Zukunft eine Option.
Wirklich Neues gab es also nicht zu erfahren, das beklagten dann auch einige Zuhörer. Bernd Reiße aus Oberböhmsdorf bekräftigte, dass es mit dem Aktionsbündnis keine Permanenz geben werde. Er rechnete über 30 Millionen Euro vor, die investiert werden müssen, um eine vernünftige Rennstrecke mit Nebenanlagen hinzubekommen. Diese Zahl wurde dann auf Nachfrage von Konrad Walther auf neun Millionen relativiert. Thomas Frotscher, Vorsitzender der Freien Wähler, forderte, in Schleiz eine andere Politik zu machen. Er sei überzeugt, so Frotscher, dass der bisherige Straßenkurs für die Erhaltung der Traditionen ausreiche. Den Umgang der Stadt Schleiz mit den Anliegern beklagte u.a. Eigentümer Maik Köhler, dessen Gewerbefläche unterhalb des Buchhübels nur noch Bestandsschutz haben soll. Eine vernünftige Begründung habe er dafür nicht bekommen. "Wenn man diesen Umgang mit den Bürgern erlebt, dann kann man zum Gegner werden", so Köhler.
Quelle: Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Schleiz
vom 04.02.2009 |