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15.12.2008 – Alexander Seidel, Schleiz
Offener Brief zum Thema „Gewerbegebiet Schleiz-Süd“
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,
als Mitglied der Bürgerinitiative „PRO Schleizer Dreieck“ nahm ich am 09.12.2008 an der Präsentation
des Vorentwurfes zur ersten Bebauungsplanänderung, -ergänzung und -neufassung für o.g.
Gewerbegebiet teil. Nachfolgend möchte ich meine Gedanken hierzu äußern und vorrangig auf einige
Argumente der Kritiker eingehen. Ich spreche dabei bewusst von Kritikern und nicht von Gegnern, da
sich an diesem Abend niemand gegen ein Fortbestehen des Schleizer Dreiecks ausgesprochen hat.
- Die Kritiker beklagten den Verlust von Lebensraum, Natur und landwirtschaftlicher Nutzfläche
durch die angedachten Baumaßnahmen. Trotzdem brachten sie einen komplett neuen Rennkurs
an der Kalten Schäferei wieder ins Gespräch. Andere hingegen machten sich die Mühe, die
Altvariante für einen komplett neuen Kurs im Innenring an die heutigen baulichen
Gegebenheiten anzupassen, indem sie Querspange und Buchhübel integrierten. Ein geringerer
Verlust von Lebensraum, Natur und landwirtschaftlicher Nutzfläche ist bei beiden
vorgeschlagenen Alternativen nach meiner Ansicht zu bezweifeln. Die Enttäuschung über
Eingriffe in das Landschaftsbild kann folglich nicht so groß sein wie vorgetragen.
- Die Kritiker nannten im Zusammenhang mit dem Verlust landwirtschaftlicher Nutzfläche
wegfallende Arbeitsplätze als Gegenargument. Mit den geplanten Investitionen der öffentlichen
und privaten Hand werden jedoch gerade in den heraufbeschworenen Krisenzeiten Arbeitsplätze
gesichert (Bauhaupt- und -nebengewerbe) sowie neu geschaffen (Fahrsicherheitszentrum, Hotels,
Gastronomie).
- Die Kritiker bezeichneten den heute bestehenden Lärmschutz als unzureichend. Damit haben sie
Recht. Gleichwohl monierten sie, durch die beauflagten und geplanten Lärmschutzwände, die
gerade dem Abhilfe schaffen sollen, eingemauert zu werden. Zudem war der Rennbetrieb
erstaunlicherweise niemandem mehr zu laut, als ein bekannter Schleizer Hotelier die unter 1.
beschriebene modifizierte Streckenführung im Innenring mittels Overhead-Projektor an die
Wand projizierte und favorisierte.
- Die Kritiker unterstellten das Fördern von Lobbyisten. Dem ist zu entgegnen: Motor(renn)sport
ist eine Disziplin, die genau wie Fußball, Schwimmen und Schach ihre Existenzberechtigung hat.
Und das Erhöhen der Verkehrssicherheit durch eine entsprechende Trainingsanlage ist im
Interesse aller Verkehrsteilnehmer, sei es als Fußgänger, Radfahrer oder auf motorisiertem
Wege.
- Die Kritiker sprachen davon, dass mit der Umverlegung der B2 der Ortsteil Oschitz zwar
entlastet werde, auf Oberböhmsdorf jedoch eine neue Belastung zukäme. Da der auszubauende
Stadtweg nur für Pkw und landwirtschaftliche Fahrzeuge, nicht aber für den Schwerlastverkehr
freigegeben werden soll, wird es genau zu dieser Belastung nicht kommen. LKWs und Busse
müssen die neu trassierte B2 nutzen und der Pkw-Verkehr wird die Bundesstraße einer
Ortsdurchfahrt Oberböhmsdorf vorziehen.
- Die Kritiker prangerten die Verschwendung von Steuergeldern an, die zweifelsohne für soziale
Zwecke auch gut angelegt sind. An die unserer Stadt drohende Rückzahlung von Fördermitteln
für den Fall, dass das Gewerbegebiet nicht wie vorgesehen mit einem Fahrsicherheitszentrum
ausgelastet werden kann, dachten sie dagegen nicht. Die berufliche Erfahrung lehrte mich, dass
dann nicht nur der Zuschuß selbst, sondern auch Zinsen in nicht unerheblicher Höhe fällig
werden. Dies scheint man in Kauf zu nehmen. Auch scheinen die Kritiker die mit den
angedachten Gewerbeansiedlungen einhergehenden zusätzlichen Steuereinnahmen der Stadt
Schleiz nicht zu gönnen.
Die vorstehenden Punkte zusammengefasst ergibt sich für mich ein uneinheitliches, teilweise sogar
in sich widersprüchliches Meinungsbild der Kritiker. Sie haben keine wirklichen Alternativen zum
vorliegenden Entwurf, lassen einen klaren Standpunkt vermissen und ihre Hauptargumente sollten
durch meine Ausführungen im Wesentlichen entkräftet worden sein.
Für die bauliche Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen schlage ich vor, diese wo immer möglich
als Erdwälle und nicht als Wände zu realisieren, denn dies:
- ist kostengünstiger
- ermöglicht die sinnvolle Nutzung des durch die Baumaßnahmen entstehenden Erdaushubes
- schafft durch Begrünung der Erdwälle einen teilweisen Ausgleich für Eingriffe in die Natur und
- läßt die begrünten Lärmschutzwälle als Naturtribünen zur Verfügung stehen
Getreu dem Ausspruch der Katharina von Siena: „Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig
und allein das Durchhalten“, appelliere ich an die Damen und Herren Stadträte, konstruktive
Einwände sehr wohl zu berücksichtigen, den mit der Querspange und dem bestehenden Baurecht im
Gewerbegebiet Schleiz Süd begonnenen Weg jedoch konsequent weiter zu beschreiten. In diesem
Sinne plädiere ich dafür, die Änderung des Bebauungsplanes einstimmig zu beschließen, denn:
Eintracht baut die Stadt – Zwietracht reißt sie nieder.
Die Bürgerinitiative „PRO Schleizer Dreieck“, der wie eingangs erwähnt auch meine Person
angehört, wird Stadt und Investoren während des weiteren Prozesses nach Kräften unterstützen.
Mit freundlichen Grüßen,
Diplom-Betriebswirt (FH),
Alexander Seidel |