| Kennen Sie Freddy
Kottulinsky – den
Schleizer Bürger?
Geboren am 20.07.1932 in München, Vater Adalbert Graf Kottulinsky, Mutter
Maria Gräfin Kottulinsky – gebürtige Comtesse Stauffenberg.
Geschwister Harta geb. 1928, Ingund geb. 1933 und Harald geb. 1935. Meine Mutter
verstarb 1939 an Diphterie. Den Krieg überlebten wir alle bei entweder
Verwanden oder Haushälterinnen. Wir wurden zwei mal in München ausgebombt
und landeten somit in Ruhbolding, leider musste ich das Gymnasium in Traunstein
verlassen, da ich weder getauft war noch einer Konfession angehörte. Ich
wollte dann eine Lehre als Kfz-Mechaniker antreten, konnte aber keine Lehrstelle
finden. Habe dann eine Arbeit auf einem Gut in Kochel am See gefunden. Täglich
zweimal vierzehn Kühe melken, Tiere schlachten, die Felder bestellen und
im Winter Holz fällen, dass waren meine Aufgaben um zu überleben.
Bei einem gewissen Toni Bauhofer, ein in Schleiz bekannter Motorradrennfahrer
aus der Vorkriegszeit, bekam ich dann in München eine Anstellung. Ich
wohnte dort in einem Lehrlingswohnheim und traf dort meinen Bruder wieder.
Mein Vater saß zu diesem Zeitpunkt als Kriegsverbrecher hinter Gittern.
Nachdem ich meine Lehrzeit beendet hatte, musste ich mich nach einer neuen
Stelle umsehen. 1953 fand ich einen Job in Schweden. Ich setzte mich auf meinen
Motorroller, eine Lambretta, im Rucksack waren nur meine persönlichen
Habseligkeiten, mit wenig erspartem und ohne Sprachkenntnisse. Nach nur einem
Jahr in Schweden machte ich mich selbstständig. Ich mietete eine Garage
mit Platz für zwei Fahrzeuge unterhalb einer Villa. Nach weiteren drei
Jahren hatte ich etwas Geld erspart, nahm einen Kredit auf und baute eine Werkstatt
für fünf Personen- und für einen Lastwagen. Ich lernte die Frau
meiner drei Kinder kennen die ich 1959 ehelichte. 1959 fuhr ich auf einem MGA
meine ersten Rennen. 1960 fuhr ich schwedische Meisterschaftsläufe auf
MGA und Volvo. 1962 wurde ich auf einem Porsche Carrera Vizemeister. 1963 und
64 fuhr ich Formel junior, aber nach einer Massenkarambolage Ende 1964 in Helsinki
musste ich erst mal meine Lizenz bis zur Klärung des Falles abgeben. Nachdem
in der Zwischenzeit meine Werkstatt sehr BMW lastig geworden war, entschied
ich mich 1965 an der EM für Tourenwagen teilzunehmen. Ein Sieg in Karlskoga
(S) gegen die Werksfahrer von BMW war mein bestes Resultat. 1966 startete ich
in der Formel 3 und wurde schwedischer Meister. Ab 1967 begann die Rennerei
dann sehr international zu werden, ich begann auch in den Wintermonaten Rallyes
und Eisrennen zu fahren. 1970 auf 1971 änderte sich die Motorenformel
von 1000cc auf 1500cc. Ich fühlte mich verpflichtet als BMW Mann einen
solchen Motor zu entwickeln. Ich war auch damit sehr erfolgreich und gewann
damit auch in Schleiz, ich wurde dreimaliger Europameister Formel 3 und zweimaliger
Europameister auf Audi.
Das BMW Werk in München war sehr angetan und kaufte meinen Motor. Die
Firma Schnitzler in Freilassing kümmerte sich um die Weiterentwicklung.
Nachdem die Motorenvielfalt sehr viele Werkteams mit sich brachte, ich aber
Privatfahrer war und das auch bleiben wollte suchte ich nach einer Alternative.
Die Alternative war die Formel Super Vau, denn diese bestand zum grossen Teil
nur aus Privatfahrern, es gab sehr gute Preisgelder und vernünftige Fahrzeugpreise.
Es wurde um zwei Pokale gekämpft, gute Preisgelder und am Ende der Saison
noch mal Geld für die ersten Drei in jedem Pokal. Nach zwei Jahren und
dem Gewinn der Europameisterschaft 1974 legte man mir von der Formel Vau Nahe,
die Klasse zu wechseln. Man bot mir an, in Zusammenarbeit mit Formel Vau Europa
in Hannover einen Rallye Golf auf die Beine zu stellen. Im Winter 1974 auf
1975 stellten wir ein Fahrzeug auf die Beine, mit welchem ich dann respektable
Resultate in der deutschen Rallymeisterschaft erzielte. Das von mir mitentwickelte
Fahrzeug wurde dann vom Rallyeeuropameister Jochi Kleint übernommen. 1976
engagierte mich das Fritz Lochmann Racing Team in München als Teammanager.
1977 fuhr ich dann als Fahrer einen Ralt Formel 2. Gegen nur Weltteams hatte
ich in der EM einen schweren Stand als Privatfahrer, konnte aber trotzdem am
Nürburgring gewinnen. 1978 engagierte mich BMW für die Tourenwagen
WM. Nachdem es sich um Langstreckenrennen handelte, wechselte ich mich mit
Marc Surer aus der Schweiz ab und wir gewannen die Weltmeisterschaft. 1979
trat Audi an mich heran. Ich fuhr Tourenwagen EM und Rallye WM Läufe.
Ende 1979 sollte allradgetriebenes Fahrzeug auf die Beine gestellt werden.
Ich hatte anfänglich zwei Mechaniker an meiner Seite, ich veränderte
das Fahrwerk, die Bremsanlage und versuchte das Fahrzeuggewicht zu reduzieren.
Zwischendurch machte ich immer wieder Testfahrten auf einem Militärgelände
in der Nähe von Ingolstadt. Später ging es dann auch auf Sonderprüfungen
von Rallye WM Läufen. Dabei kam es immer wieder zu Unfällen mit
den Servicefahrzeugen. Daraufhin startete ich Fahrertrainings für
die Mechaniker im Team, dies hatte zur Folge, dass ich auch die werksinternen
Testfahrer schulen
musste. Dies hatte wiederum zur Folge, dass die Verwandtschaft dieser Herrschaften
auch solche Trainings machen wollten. Damit war das Audi Fahrsicherheitstraining
geboren. Allein Audi hatte vergangenes Jahr 17.000 Trainingsbesucher weltweit.
1980 gewann ich mit meinem Copiloten Gerd Löffelmann die Rallye Paris-Dakar
(damals noch Rallye Oasis) in unserem allradgetriebenen, von Audi betreuten
VW Iltis-Geländewagen.
Nach fünfundzwanzig Jahren Fahrtrainings bei Audi habe ich mich vergangenes
Jahr in den Ruhestand begeben.
Heute ist es mein persönlicher Wunsch, dass unser Schleizer Dreieck wieder
zu dem wird was es vor vielen, vielen Jahren einmal war.

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